Oma Knackbusch

10. Dezember 2006 at 12:00 1 Kommentar

Weihnachtskurzgeschichte: “Oma Knackbusch”

(Von einem unbekannten Meister aus Bremen)

Hübsch leise rieselt schon der Schnee
die Flocken ziehn von Luv nach Lee,
ganz still und dunkel ist das Haus,
sieht einsam und verlassen aus,
weil Vater , Mutter und das Kind,
zur Kirche schon gegangen sind.
Das Fest wohl vorbereitet habend,
denn heute ist ja Weihnachtsabend.

Ein Schatten schleicht im Garten hin,
die Scheibe klirrt, schon ist er drin -
-ein Stuhl verrutscht – ein Glöckchen klingt,
der Strahl der Tachenlampe blinkt,
und die gehört Carl- Gustav Clausen,
entlassen jüngst aus Oslebshausen,
der dieser Art im fremden Haus,
sucht seine Weihnachtsgaben aus.

Der Weihnachtsbaum ist ihm egal;
am Gabentisch trifft er die Wahl:
in seinen Sack zuerst rein tut er,
das Perlenkollier für die Mutter.
Als zweites dann, hoch schlägt sein Herz,
greift er die Stola sich vom Nerz.
Zum dritten in den Sack rein tat er,
die goldne Uhr bestimmt für Vater.
Zwei Flaschen greift er auch sich schnell,
voll Whiskey teils, teils voll Chanel.
Am Tisch der Tochter findet er,
12 Silberlöffel fürs Dessert.
Auch noch zwei Schuhe für die Hand
aus Saffianleder dort er fand.
Dann aber schaut er staunend an,
Klein Bubis neue Eisenbahn!

Die Wagen, die Elektronlok,
den Tunnel und den Prellebock.
Die Schranke auch und die Geleise,
das rührt ihn in besondrer Weise.
Er läßt den Sack zu Boden gleiten,
und hockt sich wie in alten Zeiten,
hin auf den Teppich ganz bequem,
und drückt schon auf das Schaltsystem.
Und hell der Zug beginnt zu sausen,
Signale leuchten seinem Brausen,
und sieh, der Dieb Carl-Gustav Clausen
(entlassen jüngst aus Oslebshausen)
ist plötzlich und von ungefähr
jetzt wieder ein Stationsvorsteh´r.

Wie er´s vor manchem Schicksalsjahr,
einstmals als kleiner Junge war.
(in allen seinen Phantasien
schmückte die rote Mütze ihn
und doch hat er mit Müh´und Plagen
so manche Mütze sonst getragen:
Feldmütze erst dann die für Schieber,
die blaue Seemansmütz noch lieber,
zuletzt, er denkt daran mit Grausen,
das Krätzchen noch von Oslebshausen!)

Es rattern Schienen, schnurrt die Bahn,
da hat die Tür sich aufgetan:
Plötzlich ins Zimmer ungebeten
ist Oma Knackbusch eingetreten.
die, – da sie zählt so viele Jahre -
nicht mit zum Kirchgang draußen war.

“o” sprach die Oma: “kiek mol an,
dor is scha woll de Wiehnachtsmann!”
“Och Wiehnachtsmann lot di ni stören,
ich kann schlecht kieken und schlecht hören
man doch das seh ich eben recht:
Du hesst in dienen Sack was bröcht!
Ich töw schon an die 100 Jahr,
dass ich dich auch mal werd geahr!”

Carl-Gustav Clausen guckt verdattert,
er kommt nicht klar, sein Herz das flattert,
schon greift er nach dem Sack verstohlen,
um die Pistole rauszuholen.
doch Oma fängt zu lachen an:
“Ob ich dem lieben Weihnachtsmann
auch mein Gedicht aufsagen kann?”
“Lieber guter Weihnachtsmann,
kiek Gesche Knackbusch freundlich an.
und steck auch deine Rute ein-
lütt Gesche will auch artig sein!
So, war das nich´n scheun Gedicht?
Heest du ok Pepernööt för mich?”

(Carl-Gustav schwanken schon die Füße,
er sucht verzweifelt Pfeffernüsse)
Und wie er endlich welche findet,
nachdem er erst ein Licht entzündet,
da holt die Oma aus dem Schapp
schon eine Flasche Korn herab
und schenkt dem Gast ein Gläschen ein:
“Prost, das soll für Wiehnachten sein!”
“P.p.p.rost” stammelt auch Carl-Gustav Clausen
(und wünscht sich fast nach Oslebshausen)

“Ach Wiehnachtsmann, nu kiek mol her,
du hest ja noch din Sack nich leer.
Laß man, ich helf dir _ oh wie fein -
die Kette wird für Trina sein.
Der Pelz, die Klock – und all´ns zum Feste,
och, Wiehnachtsmann, du büst der Beste!”

Und Oma holt da alles raus,
packt ihm sein ganzes Säcklein aus.
Mit “Oh” und “Ah” legt jedes Stück,
sie fein auf seinen Platz zurück.
bis sie, nachdem der Rest verschwand,
im Sack noch die Pistole fand;
da lacht und jubelt sie: “Hihi,
die Sahnespritze ist für mi!”

(Carl-Gustav fährt das in die Waden,
denn schließlich ist das Ding geladen.)
Doch Oma meint: “Ich muß probieren,
wie wohl die Spritz deit funkschonieren.”
Sie fummelt hin, sie fummelt her
(Carl -Gustav stöhnt und kann nicht mehr.
Schon spürt den Angstschweiß im Genick er.)
“Kiek” ruft sie nun “da is scha´n Drücker.
Pass auf mien leewer Wiehnachtsmann,
nu spritz ich di mit Sahne an.”
“Nu kiek doch nicht so basch und wild,
die Spritze ist ja nicht gefüllt.
Ich tu nur so und drück mal zu,
als ob ich Sahne spritzen tu.”

Carl-Gustav springt mit einem Satz
aufs Fensterbrett wie eine Katz-
die Scheibe klirrt – Carl-Gustav Clausen
ist, knapp gerettet, wieder draußen.

Doch Oma Knackbusch, fleißig immer,
macht Ordnung schon im Weihnachtszimmer,
schon klingen Kirchenglocken ja
und bald ist die Familie da.
Und dann, im Licht der Weihnachtskerzen
umarmt man Oma recht von Herzen,
und freudenvoll und gut gelaunt
wird jeder Gabentisch bestaunt.
Da liegt – da liegt – man träumt ja wohl,
auf Omas Tisch ein Mordspistol!

“Tschä”, strahlt die Oma, “kiek mol an,
dat Ding heb ich vom Wiehnachtsmann.
Da kann ich mit zu mien Vergnügen
ganz billig mal nach Kuba fliegen.”

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Entry filed under: Literatur, Religion, Vergessenes. Tags: .

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1 Kommentar Add your own

  • 1. K. Jahnz  |  21. Dezember 2012 um 16:35

    Dieses nette Gedicht von Oma Knackbusch ist meines Wissens von Ringelnatz

    Antwort

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