Frohe Weihnachten

24. Dezember 2006 at 0:01 Hinterlasse einen Kommentar

Weihnachten

Es tönt herüber – weit her, weit her –
aus der endlosen Zeit eine Wundermär,
wie ein Wipfelwehen, wie ein Lispeln süß
aus dem alten Garten, dem Paradies:
Ein Stern ging auf, wie kein Stern je war,
da wurde die Nacht wie der Tag so klar.
Eine Stimme kam aus des Himmels Höhn:
„Selig die Augen, die solches sehn!
Selig das Ohr, dem die Stimme erklingt!
Selig alles, was Odem trinkt!
Denn das Wunder der Wunder geschah,
Gott wurde Mensch! Gott ist euch nah!
Der sein Kleid sich webt aus dem Sonnengold,
den der Sternenmantel der Nacht umrollt,
er stieg hernieder aus Macht und Gewalt,
zog an des Menschen Leib und Gestalt,
um selber zu fühlen Leib und Geist,
was das Menschenleben auf Erden heißt.“
Da wurde süß das bittere Blut,
alles, was böse, das wurde gut.
Kein Hochmut war, kein Neid in der Welt,
nicht mehr herrschte das schlimme Geld.
Das Herz des Menschen ging liebenden Schlag,
der Mensch war glücklich für einen Tag,
vom Übel erlöst und vom Leid befreit –
das war Weihnacht, die selige Zeit. –
Weihnacht, du strahlender Weltenbaum!
Weihnacht, du sehnender Gottestraum!
Verklungen die Mär – der Stern ist verblasst,
wiedergekommen sind Leid und Last.
Gut ward böse – Liebe entwich –
Hass und Neid in die Herzen schlich.
Giftig das Blut – in den Adern der Welt
rollend geht um das rollende Geld. –
Sehnsucht schleicht an die Tür und weint,
blickt und blickt, ob kein Stern erscheint,
horcht und horcht, ob kein Laut sich regt,
der Himmelsbotschaft herniederträgt. –
Sehnsucht steht schon viel hundert Jahr,
wartet und wartet noch immerdar.
Störet die heilige Sehnsucht nicht!
Gott versteht, was sie lautlos spricht.
Einmal erinnert vielleicht er sich noch
seiner Menschen und neigt sich doch;
einmal vielleicht noch im Weltenraum,
lässt er uns strahlen den Weltenbaum;
sendet vielleicht uns vom Himmel her
einmal, noch einmal die Wundermär:
„Frieden auf Erden! Ende dem Hass!
Freude den Menschen ohn‘ Unterlass.
Von euch genommen ist Bosheit und Neid,
zu euch gekommen Glück ohne Leid!
Seligkeit! Seligkeit!
Weihnacht – Weihnacht, die selige Zeit!“

(Quelle: dulzinea.de/weihnachtsgedichte)

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