Meilenstein der Demokratie

30. Dezember 2006 at 9:32 1 Kommentar

Unkommentiert:

Der ehemalige irakische Diktator Saddam Hussein ist am Samstagmorgen (30.12.2006) wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit hingerichtet worden. Wie irakische Fernsehsender unter Berufung auf das Außenministerium in Bagdad berichteten, wurde der 69-Jährige im Morgengrauen gegen 6 Uhr Ortszeit (4 Uhr MEZ) gehängt.

US-Präsident George W. Bush bezeichnete die Hinrichtung Saddams als wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu einem demokratischen Irak, der sich selbst regieren und verteidigen könne und ein Verbündeter im Kampf gegen den Terrorismus werde.

Nachrichten dazu: nachrichten.at, N-TV, Focus.de, Sueddeutsche.de

Bilder:

Saddam 1Saddam 2Saddam 3Saddam 4Saddam 5Saddam 6Saddam 7Saddam 8Saddam 9

Bilderquelle: Focus.de

Video: Stern.de, oder aber webmerica.org

Redemption: Long Live Irak – Down with the Invaders – Saddam Hussein Verdict

Nachtrag 1a – „Die letzten Minuten von Saddam Hussein“:

Bagdad/Kairo (dpa) – Von dem einstigen Kampfgeist des Ex- Diktators ist nichts zu spüren, die Atmosphäre ist fast nüchtern. Saddam Hussein el Tikriti lässt sich mit gesenktem Blick widerstandslos von zwei jungen Männern mit schwarzen Henkersmützen in den kargen Hinrichtungsraum führen.

Offensichtlich gefasst und sachlich spricht der Mann im schwarzen Mantel und weißem Hemd mit seinen Scharfrichtern kurz über die Prozedur. Saddam will sehenden Auges sterben.

Der Kopf des Todeskandidaten bleibt frei, die beiden Männer legen ihm ein schwarzes Tuch um den Hals. Ein kurzer Blick zur Hinrichtungsstätte, dann betritt der 69-Jährige den mit einem roten Geländer umfassten Platz auf der Fallgrube. Die Männer mit den Henkersmützen legen ihm die Schlinge mit dem dicken Henkersknoten um den Hals und ziehen sie zu. Damit endet das sechs Stunden nach der Hinrichtung ausgestrahlte Video. Die letzten Sekunden Saddams, der Vollzug der Todesstrafe durch den Strang, wird dem Zuschauer erspart.

«Dieses dunkle Kapitel ist beendet worden», erklärt der Sicherheitsberater des neuen Iraks, Muwaffak al-Rubai, nach der Vollstreckung – einer der wenigen Augenzeugen. Mit Saddams Hinrichtung haben die neue irakische Regierung und ihre amerikanischen Mentoren einen formalen Schlussstrich unter die blutige Ära der Gewaltherrschaft gezogen.

Einige hundert Iraker – vor allem Kurden im autonomen Norden sowie Schiiten in Bagdad und dem Wallfahrtsort Nadschaf – ließen ihrer Freude über den Tod des einstigen Peinigers freien Lauf, zogen jubelnd auf die Straße und feuerten Schüsse in die Luft. Denn den Opfern des Regimes, die über Jahre in den Kerkern des Regimes schmachten mussten, und den Angehörigen der unzähligen Menschen, die von Saddams Schergen ermordet wurden, bereitet der Tod des Diktators Genugtuung: «Wir wollen das Blut des Mannes fließen sehen, der unser Leben zerstört und unsere Söhne auf dem Gewissen hat», hatten sie ein ums andere Mal gefordert.

Die letzten Stunden des Diktators waren zum Verwirrspiel geworden. Am Freitagabend hatte eine Meldung zum erwarteten Zeitpunkt von Saddams Hinrichtung die andere gejagt. Die US-Regierung dementierte vehement Berichte vom Nachmittag, Saddam sei bereits den irakischen Behörden übergeben worden. Zu groß schien den strengen US-Bewachern die Gefahr, der prominente Todeskandidat könne ihnen im letzten Moment entwischen. «Wir wollen ihn nicht noch einmal versteckt in einem Erdloch finden», erklärte ein US-Militärsprecher.

Regierungsvertreter berieten sich stundenlang in der scharf gesicherten «Grünen Zone». Erst gegen Mitternacht gab Munir Haddad, ein Richter am irakischen Berufungsgericht, den Vollstreckungstermin bekannt: 6 Uhr Ortszeit (4 Uhr MEZ). Saddam musste noch bis kurz vor seinem Ende in den Händen seiner Häscher ausharren – bei den von ihm als «Invasoren und Besetzern» beschimpften Amerikanern, die ihn im April 2003 gestürzt und deren Soldaten ihn dann sieben Monate später in einem Erdloch auf einem Bauernhof aufgespürt hatten.

Erst eine halbe Stunde vor der Hinrichtung wurde der Delinquent an die Iraker übergeben – außerhalb der vom US-Militär kontrollierten Grünen Zone, wie Sicherheitsberater Rubai betonte: «Die Amerikaner waren bei der Exekution nicht dabei, nicht mal im Gebäude anwesend.» Offenbar sollte zum Schluss jeder Anschein vermieden werden, die Amerikaner hätten die Finger im Spiel.

Nach Informationen des Nachrichtensender Al-Arabija spielte der letzte Akt im Leben Saddams in einem Gebäude des irakischen Militärgeheimdienstes im Stadtteil Kadhimija im Nordwesten Bagdads, in dem sich auch einer der heiligsten Schreine der einst von dem Gewaltherrscher brutal verfolgten Schiiten befindet.

Mit einem Koran in der Hand wurde Saddam ins Gebäude gebracht, wie Augenzeuge Rubai berichtet. Aber von der Angst, die der Vertreter des neuen Regimes in Saddams Gesicht gesehen haben wollte, war im Videodokument über das Ende des Diktators wenig zu erkennen.

Nachtrag 1b – „Ex-Diktator Saddam in Tikrit beigesetzt“:

Tikrit/Kairo (dpa) – Rund 24 Stunden nach seiner Hinrichtung ist der frühere irakische Diktator Saddam Hussein in seinem Heimatdorf Audscha nahe der Stadt Tikrit beigesetzt worden. Der 69-Jährige sei im Morgengrauen am Sonntag im Beisein von mehreren hundert Mitgliedern seines Stammes in einem Familiengrab beigesetzt worden, berichteten Augenzeugen.

In dem Grab liegen auch Saddams Söhne Kusai und Udai, die rund drei Monate nach dem Sturz des Regimes im Juni 2003 in einem Feuergefecht mit US-Soldaten getötet worden waren.

Der Sarg Saddams war in der Nacht mit einem US-Flugzeug von Bagdad zu einem Luftwaffenstützpunkt bei Tikrit, rund 175 Kilometer nördlich der irakischen Hauptstadt, geflogen worden. Von dort wurde er ins Haus des Führers von Saddams Stamm, Scheich Ali al-Nada, gebracht. Dort nahmen Stammesangehörige Abschied von dem früheren irakischen Präsidenten, bevor der Sarg zum Friedhof von Audscha gebracht wurde. Unter den Trauergästen war laut Augenzeugen auch der Gouverneur der Provinz Salaheddin, deren Hauptstadt Tikrit ist.

Nachtrag 2 – „Chronologie: Aufstieg und Fall eines Diktators“:

Hamburg (dpa) – Saddam Hussein wurde am 28. April 1937 in dem Dorf Uja nahe Tikrit nordwestlich von Bagdad geboren. Wichtige Ereignisse in seinem Leben:

1957: Saddam schließt sich der sozialistischen Baath-Partei an und geht in den Untergrund.

1959: Beteiligung an einem Attentat auf den irakischen Militärherrscher General Kassam. Anschließend verbringt Saddam mehrere Jahre im syrischen und ägyptischen Exil.

1962-1969: Jura-Studium in Kairo und Bagdad, unterbrochen von einer dreijährigen Haftstrafe (1964-1966) wegen eines Putschversuchs gegen den damaligen Präsidenten Abdul Salam Arif.

1968 Machtübernahme durch die Baath-Partei, deren Generalsekretär er 1979 wird.

16. Juli 1979: Saddam wird irakischer Staats- und Regierungschef.

22. September 1980: Mit Luftschlägen gegen den Iran zettelt Saddam den ersten Golfkrieg an. Waffenstillstand am 20. August 1988.

16. März 1988: Bei einem Giftgas-Angriff der irakischen Armee auf die Stadt Halabdscha sterben mindestens 5000 Kurden qualvoll.

2. August 1990: Saddam lässt das Nachbarland Kuwait überfallen.

17. Januar 1991: Beginn des zweiten Golfkriegs alliierter Truppen unter Führung der USA zur Befreiung Kuwaits.

März 1991: Der Diktator schlägt eine kurdische Revolte im Norden und einen schiitischen Aufstand im Süden des Irak brutal nieder.

23. Februar 1996: Saddam lässt zwei Schwiegersöhne ermorden, die nach Jordanien flohen und von ihm nach Bagdad zurückgelockt wurden.

17. März 2003: Ablauf eines Ultimatums, mit dem die USA, Großbritannien und Spanien den Diktator zur Wiederzulassung von UN- Waffeninspektionen zwingen wollten.

20. März 2003: Mit Luftangriffen gegen die irakische Hauptstadt beginnt die US-geführte Operation «Iraqi Freedom». Einnahme Bagdads am 9. April. Saddam taucht unter. Die Amerikaner finden keinerlei Massenvernichtungswaffen.

14. Dezember 2003: US-Truppen spüren den verwahrlosten Ex-Diktator in der Nähe von Tikrit auf und ziehen ihn aus einem Erdloch.

30. Juni 2004: Saddam wird formal der irakischen Justiz überstellt, bleibt jedoch unter amerikanischer Bewachung.

19. Oktober 2005: Auftakt des ersten Prozesses gegen Saddam und sieben weitere Angeklagte. Gegenstand des Verfahrens ist ein Massaker in dem schiitischen Ort Dudschail im Juli 1982.

21. August 2006: Beginn des zweiten Saddam-Prozesses wegen Völkermords an den Kurden.

5. November 2006: Das irakische Sondertribunal gibt seine Entscheidung im Dudschail-Prozess bekannt: Saddam, sein Halbbruder und ein hoher Ex-Richter sollen am Galgen sterben.

26. Dezember 2006: Das zuständige Berufungsgericht bestätigt das Todesurteil gegen Saddam Hussein in allen Anklagepunkten.

30. Dezember 2006: Gegen 0600 Uhr Ortszeit (0400 MEZ) Tod durch den Strang in Bagdad im Gebäude des Militärgeheimdienstes.

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1 Kommentar Add your own

  • 1. Anthropology of Suicide and more..  |  3. März 2007 um 17:31

    Leon Czolgosz und Saddam Hussein

    Heute am 30.12.06 wurde der frühere irakische Diktator Saddam Hussein hingerichtet. Schon kurz darauf strahlte der staatliche Fernsehsender Al-Iraqiya Filmaufnahmen der Hinrichtung durch den Strang aus.

    Bilder der Hinrichtung und ein Teil des Videos …

    Antworten

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