Die Wette um Gott nach Pascal

21. Februar 2007 at 18:11 Hinterlasse einen Kommentar

»Wenn es keinen Gott gibt, ist unser Leben sinnlos und leer!«
Oder:
Die Wette – Nach Blaise Pascal (1623-1662)

A: Ob es Gott gibt oder nicht, kann man nicht sicher entscheiden. Stimmst du dem zu?
B: Ich stimme zu.
A: Also können wir die Frage auf sich beruhen lassen.
B: Nein, ich glaube trotzdem an Gott.
A. Aber kannst du an etwas glauben, was du nicht beweisen kannst? Ich glaube nämlich, dass es keinen Gott gibt.
B: Aber wie kannst du das glauben, wenn du es auch nicht beweisen kannst‘?
A: So kommen wir nicht weiter. Ich habe ja gleich gesagt, dass man die Frage nicht entscheiden kann.
B: Ich bin einverstanden. Deshalb schlage ich dir ein anderes Verfahren vor. Wir wollen wetten.
A: Wieso wetten?
B: Nun, ein Spiel: aber ein Spiel mit Folgen, ein Spiel am Abgrund! – Ich wette, dass es einen Gott gibt.
A: Gut, ich wette also, dass es keinen Gott gibt! Und was bekomme ich, wenn ich gewinne?
B: Nichts!
A: Nichts?
B: Ja, wenn du nämlich gewinnst, hast du zwar Recht: Es gibt dann keinen Gott. Aber im Grunde hast du verloren! Und ich habe auch verloren. Wenn es keinen Gott gibt, ist unser Leben sinnlos und leer.
A: Und wenn du gewinnst?
B: Nun, dann habe ich doppelten Gewinn: Ich habe recht behalten: es gibt einen Gott! Damit gibt es zugleich Glück und Zukunft für den Menschen – auch für mich. Für dich aber auch. Du hast also mit mir gewonnen.
A: Das sehe ich ein. Aber wir sind noch nicht weitergekommen. Ob es Gott wirklich gibt, ist genauso ungewiss wie vorher.
B: Ja und nein. Es ist doch immerhin klar geworden, dass du dich entscheiden musst und dass die Ent-scheidung Folgen hat.
A: Und du meinst, deshalb schon sollte ich mich für den Glauben an Gott entscheiden?
B: Ja sicher. Bedenke doch: du musst zwischen zwei Antworten wählen, die sich ausschließen, die aber mit gleicher Wahrscheinlichkeit richtig sind. Eine Antwort hat gute Folgen, die andere schreckliche. Wie kannst du da noch zögern‘?
A: Aber, wenn ich mich dabei irre?
B: Dann hast du nichts verloren. Du hast eine Illusion geglaubt, gewiss. Aber im anderen Fall hättest du das Nichts gewählt, das kann dich auch nicht glücklich machen.
A: Du meinst also, ich muss eigentlich an Gott glauben.
B: Nein, du musst nicht, Aber es ist deine einzige Chance.

(nach G. Neumüller, Konzepte 2)

„Pascal war wie Descartes ein genialer Mathe-matiker – er ist der Begründer der Wahr-scheinlichkeitsrechnung – und ein überzeugter Verfechter des cartesianischen mathematischen Erkenntnisideals der »Klarheit und Deutlich-keit«. Als kühler und scharfsinniger, durch die Schule des französischen Skeptizismus und Descartes‘ gegangener Denker sah er die vom Standpunkt der Vernunft vorhandenen Wider-sprüche und Paradoxa in den christlichen Dogmen und formulierte sie in höchst zuge-spitzter Form. Auf der anderen Seite war Pas-cal eine tiefreligiöse, von einem übermächtigen Gefühl der Sündhaftigkeit und Nichtigkeit des Menschen durchdrungene Natur. Diese Seite seines Wesens und Denkens führte ihn zu der Erkenntnis, das rationale und mathematische Denken gerade die tiefsten Bedürfnisse unserer Menschennatur unbefriedigt lässt und die we-sentlichsten Fragen nicht beantworten kann. So glänzend und in sich geschlossen das Gebäude der Mathematik ist – was dem Menschen allein not tut, darüber kann sie nichts ermitteln. So wirft sich Pascal, der eben noch die Wider-sprüche in den Dogmen kritisierte, gleichsam mit einem entschlossenen Sprung doch ganz in eine Haltung frommer Askese und demütiger Ergebung in den göttlichen Willen und verficht gegen die Logik, von der er doch nicht lassen kann, die Sache des menschlichen Herzens, das seine eigene Logik hat.“
(Hans Joachim Störig, Kleine Weltgeschichte der Philosphie, Stuttgart, 1962, S.366)

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